Teil 11 – Horch und Guck, ach guck mal an!

von Jirka Wartenberg | Nun eine äusserst unangenehme Angelegenheit. Ich hatte schon Anfang des Jahres einen Antrag an die Gauckbehörde in Berlin gestellt, um Einsicht in meine Stasi-Akten nehmen zu dürfen. Am 22. Februar 2005 war es dann soweit. Ich nahm mir einen Flieger in Nizza und war Punkt 8 Uhr in der Behörde. Man hat nur das Recht, einmal in diese Akten einsehen zu können, kann aber soviele Kopien machen wie man möchte. Dann kam eine nette Dame mit dicken Heftern und dann fing ich an zu lesen. Meine ganzen Vernehmungsprotokolle, der interne Schriftverkehr der Stasi, mein Haftbefehl, das Urteil, alle Einzelheiten über beschlagnahmte Sachen und die genauen Berichte eines IM, „Inoffiziellen Mitarbeiters“, der Stasi, der unter dem Decknahmen „Joachim Wenzel“ mein damaliges Fluchtvorhaben, Beurteilungen über mich und meine Eltern und Kollegen der Staatssicherheit zugetragen hatte.

Ich habe mir dann alles Wichtige kopieren lassen. Leider gab es von meinem Versicherungsausweis, meinem Führerschein, meinem Musikernachweisbuch, in dem all Muggen, „Musikergelegenheitsgeschäfte“, seit 1964 eingetragen waren und für die ich auch Steuern bezahlt hatte, keine Spur. Auch von Zeugnissen, Urkunden, Personalausweis etc. keine Rede.

Das stellte natürlich eine grosse Schwierigkeit im Hinblick auf meine Rentenberechnung dar und bis heute fehlt mir die gesamte nebenberufliche Musikerzeit. Keine Nachweise über Plattenproduktionen, Auftritte in Fernsehshows und sogar von meiner festen Anstellung im Friedrichstadtpalast mit dem Gerd-Michaelis-Chor gibt es keine Spuren!

Von der Hochzeit mit Elke Rieckhoff wurde in den Zeitungen berichtet, doch gibt es keine Nachweise für das gesamte Jahr 1969 im Palast. Wenig glaubhaft, meint man. Hilfe,die Bürokraten! Ich bräuchte da vielleicht ein bischen Hilfe von Ihnen. Es müssten doch noch Kollegen da sein, die über gemeinsame Auftritte und Engagements Auskunft geben könnten. Meine Aussagen gegenüber der BfA wurden zum Teil als „wenig glaubhaft“ abgewiesen. Seit Oktober 2005 bin ich nun auf Grund meiner Erwerbsunfähigkeit auf Rente und bekomme aus Deutschland die sagenhafte Summe von 142 Euros im Monat!

Doch um noch einmal und zum letzten Mal auf die Stasi zurückzukommen. Ich hatte am Tag der Einsicht in die Akten sofort den Antrag auf die Aufdeckung des Decknamens „Joachim Wenzel“ gestellt! Erst zwei Jahre später bekam ich dann die Antwort. Der Kumpel, der mein und das Leben meiner Eltern völlig auf den Kopf gestellt hatte, war in Wirklichkeit mein netter Freund und Kollege Bernd Emich!

Ich hatte auch selbst darüber schon meine Befürchtungen, doch wenn man das dann schwarz auf weiss bekommt, tut das schon sehr weh. Ich habe lange gezögert, das zu veröffentlichen, doch bin zu dem Entschluss gekommen, es zu tun. Bernd Emichs ehemalige Musikerkollegen, seine Frau Sylvia und auch sein Sohn Jan, sollten erfahren, wer Bernd Emich eigentlich war. Ich bin sicher, daß er wahrscheinlich noch anderen Personen Leid zugefügt hat.

Nun, ich habe inzwischen erfahren, daß er in den 90iger Jahren auf einer Baustelle tödlich verunglückt sei und damit ist das für mich jetzt endgültig abgeschlossen!