Teil 6 – Jirka Wartenberg auf der „Durchreise“

von Jirka WartenbergEs sollte im Mai 1976 losgehen. Der Deutsche Staat (also die Bundesrepublik Deutschland) hatte mir eine Reise „spendiert“, für einen Urlaubsort in Europa nach Wahl. Ich bin dann also im März nach Gran Canaria in Spanien geflogen, begleitet von Sigrid Wenzel, einem sehr attraktiven Foto-Modell. Ihr Vater besaß ein großes Appartement in Las Palmas und wir hatten aus diesem Grund keine Hotelsorgen. Jeden Tag am Strand in Maspalomas (ungefähr 4 Kilometer von der Stadt entfernt). Riesige Wellen und 30 Grad in der Sonne – ein schöner März.

Nach zehn Tagen habe ich am Swimmingpool eines Restaurants eine hübsche Frau gesehen, meine Füße hatten sie „angezogen“, wie sich später herausstellte.

Um es kurz zu machen: die letzten Tage in Gran Canaria habe ich in ihrem Hotel verbracht, bin nach Berlin zurückgeflogen, habe meinen Koffer gepackt und bin mit meinem 300 DM-Käfer nach Merignac, nahe bei Bordeaux im Südwesten Frankreichs gefahren (2.000 km). Sie hieß Brigitte Treny und war Direktorin beim Autoverleih Europcar im Zentrum von Bordeaux und gerade dabei, sich scheiden zu lassen.

Nach ein oder zwei Monaten Rückkehr nach Berlin und wieder zurück nach Frankreich für einen Sommerurlaub mit Jürgen Malkowski und seiner Freundin Kerstin – nicht ohne Schwierigkeiten, denn auf der Fahrt ist die Pleulstange des roten VW-Cabriolets von Jürgen kaputtgegangen). Sie haben trotzdem einen schönen Urlaub verbracht. Nach unserer Rückkehr hielt ich es dann nicht mehr lange aus und bin dann mit Sack und Pack nach Frankreich gezogen. Voilà.

Ich konnte kein Wort Französisch, doch meine Freundin sprach sehr gut Deutsch und Englisch. So konnte ich in vollem Umfang von allem profitieren. Sie hatte 2 Braques Allemand, Jagdhunde deutscher Rasse (Le Kid und Mambo), die von ihrem besten Freund Robert Maurin kamen, der Directeur von Europcar in Paris war und ein wunderschönes Haus in der Normandie besaß. Er hatte eine Privatzucht von Braques Allemand (Deutsch Kurzhaar), Briards (Hütehunde aus dem französischen Flachland) und Rauhhaardackeln. Robert war ein sehr guter Freund, leider ist er später tödlich verunglückt.

Axel hatte damals einen schokoladenfarbigen Dackel-Welpen von Robert geschenkt bekommen, Pamplemousse du Vautrait, er nannte sie „Pastis“, nach dem französischen Nationalgetränk, das Axel sehr gern trank. Ich habe übrigens auch solch einen Teckel. Er heisst „Vortex de la Lande aux Fougères“ – Wirbelwind aus dem Lande der Farnkräuter.

Langsam aber sicher kommen wir zu den nächsten 35 Jahren in Frankreich und es kann sein, daß ab und zu einige französische Worte eingeschoben sind. Ich glaube aber, daß Sie sicher alles verstehen werden. Irgendwann einmal werde ich auch meine Webseite ins Französische übersetzen, weil vielleicht hier in Frankreich Interesse an meiner Geschichte bestehen könnte. In Deutschland kennt man ja das Geschehene mehr oder weniger, doch in Frankreich kann sich niemand vorstellen, daß das, was ich und leider auch viele andere Personen erlebt haben, überhaupt möglich sei.

Vor allem hier im Süden Frankreichs, wo ich nun seit mehr als 25 Jahren wohne. Es kann sein, daß ich nicht alle Ereignisse in die richtige Zeit gesetzt habe. Ich hab‘ nun heute mit 66 Jahren keine sehr gute Datenerinnerung – habe im Gefängnis anscheinend zu „trainiert“, um alles zu vergessen!