Niemand dachte daran, eine Mauer zu bauen…

von Jirka Wartenberg | Ende der 50 iger bekam ich meine erste Gitarre und lernte die ersten Griffe. Eine kleine Freundesgruppe von Kind an: Johannes „Hansi“ Biebl, Udo, Kolle (Karl-Heinz), „JUK“, ein Rabe, den wir in Pflege genommen hatten und ich wurden unzertrennlich. Fußball, Camping und die ersten Begegnungen mit Mädchen und auch „ne’ Zigarette zu versuchen“ machte uns zu Jugendlichen.

Zum ersten Mal verliebt: Sie hieß Astrid und war auch die große Liebe meines „Konkurrenten“ Achim Mentzel vom Diana Show Quartett.

Schulausflüge, Abendtreffen und frei von Sorgen. Viel Sport: Turnen, Wasser und der 10m Sprungturm im Freibad Pankow, ich schaffte sogar einen zweieinhalbfachen Salto vorwärts!

Ende der Schulzeit in der polytechnischen Oberschule in Niederschönhausen und Beginn einer Lehre im VEB Bergmann-Borsig Wilhelmsruh als Maschinenschlosser mit gleichzeitigem Abitur-Abschluss.

Urlaub: Insel Rügen, Camping, Baden und Kochen angesagt. Herrlich!

Ein kleines Transistorradio und dann die Meldung:

In Berlin ist man dabei, uns eine Mauer vor die Nase zu setzen!

Sofortige Heimreise mit der Bahn und erste unheimliche Eindrücke. Menschen zu Hunderten versammelt an der Ecke Brehmestrasse/Wollankstrasse (späterer Grenzübergang). Auf der anderen Seite, im Französischen Sektor, ebenfalls Menschenmengen, Schreie, Gewinke zwischen den getrennten Familienmitgliedern und die ein oder zwei Reihen Betonsteine, nur von einigen armseligen Soldaten bewacht, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Schiessbefehl hatten.

Gruppen fingen an, loszulaufen und sprangen über die Mauer, vorbei an den machtlos dastehenden Soldaten und Vopos!

Auch ich hatte Lust abzuhauen, doch mein Vater wollte seine „geliebte Arbeit“ nicht verlassen und ich sollte auch meine Schulausbildung beenden. Kleinbürgerliches, verständliches Denken, das von dem Zeitpunkt an unser aller Leben verändern sollte.

Alle Menschen wussten um die Befestigung des Mauerbaues, die Dramen, die sich damals vor unseren jungen Augen abspielten. Erste Schüsse und in den Nachrichten auch die ersten Toten.

Unser Leben ging trotzdem weiter!